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Tribunal Supremo und zweite Chance 2026: Die Entlassung öffentlicher Schulden hat keine Grenzen mehr

Analyse der STS 260/2026 und 254/2026: Der Tribunal Supremo erklärt, dass Zuschläge, Zinsen und Sanktionen der AEAT und der Sozialversicherung im Rahmen der zweiten Chance vollständig erlassen werden können. Praktische Auswirkungen für Schuldner mit öffentlichen Schulden.

4 Min. Lesezeit

Im Februar 2026 erließ der Tribunal Supremo zwei Urteile, die die Behandlung öffentlicher Schulden in Verfahren der zweiten Chance grundlegend veränderten. Die Urteile des Tribunal Supremo (STS) 260/2026 und 254/2026 — beide von der Zivilkammer — stellen fest, dass Zuschläge, Verzugszinsen und Sanktionen, die von der Steuerbehörde (AEAT) und der Sozialversicherungsbehörde (TGSS) verhängt wurden, nachrangige Forderungen sind und als solche vollständig im Rahmen der Entlassung des unerfüllten Passivs (EPI) erlassen werden können. Diese Doktrin stellt den größten Fortschritt für Schuldner mit öffentlichen Schulden seit der Reform durch das Gesetz 16/2022 dar.

Das Problem, das die Urteile gelöst haben

Vor Februar 2026 bestand eine weit verbreitete restriktive Interpretation unter Handelsgerichten: Die Erlassgrenzen des Artikels 491 TRLC — bis zu 10.000 Euro Schulden bei der AEAT und bis zu 10.000 Euro bei der TGSS — galten für alle öffentlichen Schulden ohne Unterschied, seien es Hauptbeträge, Zuschläge, Zinsen oder Sanktionen. Diese Interpretation ließ viele Schuldner in einer unhaltbaren Situation zurück: Nach der zweiten Chance schuldeten sie noch zehntausende Euro dem Fiskus, was den Erlass illusorisch machte.

Der Fall, der zur STS 260/2026 führte, war paradigmatisch: Ein selbstständiger Handwerker aus Murcia hatte 4.200 Euro Sozialversicherungsbeiträge (Hauptbetrag) angehäuft, plus 38.000 Euro an Verzugszuschlägen und Sanktionen für dieselbe Schuld. Die Verwaltung behauptete, die Obergrenze von 10.000 Euro gelte für den Gesamtbetrag. Der Tribunal Supremo gab dem Schuldner Recht.

Die zentrale Doktrin: Nachrangige Forderungen sind unbegrenzt erlassbar

Der Kern der neuen Doktrin liegt in der Klassifikation von Zuschlägen, Zinsen und Sanktionen als nachrangige Forderungen (Art. 281.3 und 4 TRLC). Die Erlassobergrenzen des Art. 491 TRLC gelten nur für gewöhnliche und für privilegierte Forderungen — nicht für nachrangige.

Praktische Konsequenz:

Art der SteuerschuldRechtliche NaturGrenze für den Erlass
Hauptbetrag SteuerschuldGewöhnliche ForderungJa (Art. 491 TRLC)
VerzugszuschlägeNachrangige ForderungKeine Grenze
VerzugszinsenNachrangige ForderungKeine Grenze
Steuerliche SanktionenNachrangige ForderungKeine Grenze
Hauptbetrag SozialversicherungsbeiträgeGewöhnliche ForderungJa (Art. 491 TRLC)
Zuschläge und Zinsen auf SS-BeiträgeNachrangige ForderungKeine Grenze

Auswirkungen auf laufende Verfahren

Verfahren in der Erlassphase

Wenn das Verfahren der zweiten Chance bereits in der Erlassphase ist, kann der Schuldner — über seinen Verfahrensbevollmächtigten — beantragen, dass der Erlass auch die nachrangigen Forderungen (Zuschläge, Zinsen und Sanktionen) umfasst, ohne Betragsbegrenzung.

Abgelehnte Verfahren wegen öffentlicher Schulden

Wenn das Gericht vor Februar 2026 den Erlass wegen Überschreitung der Obergrenzen abgelehnt hat, kann es möglich sein, eine außerordentliche Wiederaufnahme zu beantragen, wenn die Ablehnung ausschließlich auf der Interpretation der jetzt überholten Obergrenzen beruhte. Dies muss von Fall zu Fall mit einem spezialisierten Insolvenzanwalt analysiert werden.

Haftungsableitung von einer Gesellschaft auf einen Geschäftsführer

Die STS 254/2026 klärt einen zweiten relevanten Aspekt: Wenn das Finanzamt die Steuerschuld einer Gesellschaft auf einen Gesellschafter oder Geschäftsführer als natürliche Person abgeleitet hat, schließt diese Ableitung nicht automatisch den Zugang zur zweiten Chance aus. Die Ableitung ist ein Einziehungsmechanismus, keine Sanktion persönlicher Natur. Die abgeleitete Schuld wird wie jede andere Schuld der natürlichen Person behandelt, mit denselben Klassifikationsregeln für gewöhnliche und nachrangige Forderungen.

Wer kann von dieser Doktrin profitieren?

Die neue Doktrin des Tribunal Supremo ist besonders relevant für:

  • Ehemalige Selbstständige mit angehäuften Schulden bei der AEAT oder TGSS, die hauptsächlich aus Zuschlägen und Zinsen nach nicht gezahlten Quartalsmodellen bestehen.
  • Ehemalige Geschäftsführer, auf die Steuerschulden ihrer Gesellschaft abgeleitet wurden und die nun als natürliche Personen die zweite Chance suchen.
  • Privatpersonen mit Steuerverbindlichkeiten aus Erbschaften, Immobilientransaktionen oder anderen nicht auf wirtschaftliche Tätigkeit zurückzuführenden Sachverhalten.
  • Personen, denen die zweite Chance bereits abgelehnt wurde wegen Überschreitung der damals geltenden Obergrenzen.

Die zweite Chance ist kein Mechanismus, der ausschließlich Unternehmern vorbehalten ist. Sie steht auch nicht-unternehmenden natürlichen Personen in ernsthafter finanzieller Not offen. Das vereinfachte Verfahren (concurso consecutivo express) ohne vorherigen Gläubigerausschuss ist für Schuldner ohne Vermögen erreichbar.

Beratung unter [/de/rechtlich/zweite-chance/] oder durch direkten Kontakt mit unserem Insolvenzrechtsteam.

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